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Aids Hilfe Wien

HIV und SARS-CoV2 (Corona)

Unterschiede Corona, SARS-CoV2, 19-nCoV und COVID-19

“Corona” ist eine Virusfamilie, zu der mehrere Viren gehören. Bei Menschen sind momentan 7 verschiedene Corona Viren bekannt. Das aktuelle Corona Virus hieß zuerst 19-nCoV und erhielt dann den offiziellen Namen SARS-CoV2. Die Erkrankung, welche durch eine SARS-CoV2 Infektion ausgelöst wird, heißt COVID-19.

Schutzmaßnahmen gegen SARS-CoV2

Die Schutzmaßnahmen beinhalten gründliche Handhygiene, Vermeiden von Kontakt der Hände mit Gesicht, kein offenes Niesen oder Husten (sondern in Armbeuge oder Einwegtaschentuch), 1-2m Abstand zu (potentiell) infizierten Personen, grundsätzliches Reduzieren sozialer Kontakte auf ein absolutes Minimum und somit auch das Vermeiden von Zusammenkünften vieler Menschen. Vor allem das „social distancing“ sollte sehr ernst genommen werden.

HIV und Schutzmaßnahmen gegen SARS-CoV2

Für HIV-positive Menschen gelten grundsätzlich exakt die gleichen Schutzmaßnahmen, wie für alle anderen Menschen auch! Um den Besuch einer Ordination, Ambulanz oder Beratungseinrichtung eventuell zu vermeiden, ist es sinnvoll sein, die jeweiligen HIV-Ärzt*innen oder Betreuer*innen im Vorfeld zu kontaktieren. Eventuell ist zum aktuellen Zeitpunkt ein persönlicher Besuch nicht notwendig, oder andere Varianten (z.B. telefonische Beratung, postalische Wege, Kontakt per Mail etc.) sind eine Option. So können Aufenthalte in Räumlichkeiten, in denen sich viele Menschen aufhalten, zusätzlich vermieden werden.

Risiko für schwereren Verlauf bei COVID-19

Die meisten Aussagen gibt es bisher (auf Grund der hohen Fallzahlen) aus China. Hier verliefen rund 80 % der Erkrankungen mild bis moderat. Unter den restlichen Patient*innen entwickelte sich bei ca. 6% ein kritischer bis lebensbedrohlicher Verlauf. Ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf von COVID-19 haben ältere Personen und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. Hierzu zählen z.B. Herzerkrankungen, Lungenproblematiken (z.B. Bronchitis, Asthma, COPD), Diabetes, Krebserkrankungen, chronischen Lebererkrankungen oder ein geschwächtes Immunsystem.

HIV und das Risiko für schwereren Verlauf bei COVID-19

Derzeit gibt es keine Hinweise oder Aussagen, dass eine HIV-Infektion grundsätzlich das Risiko für einen schwereren Verlauf von COVID-19 erhöht. Auch in Österreich haben fast alle HIV-positiven Menschen dank HIV-Therapie ein stabiles Immunsystem und gehören damit nicht automatisch in die oben genannte Risikogruppe. HIV-positive Menschen mit Komorbiditäten (anderen Vorerkrankungen), haben durch diese (und unabhängig von der HIV-Therapie), ein erhöhtes Risiko und sollten – wie alle HIV-negative Menschen mit Vorerkrankungen auch – unbedingt sämtliche verfügbaren Schutzmaßnahmen einhalten! 

Versorgung mit HIV – Medikamenten

Um die durchgehende Einnahme der HIV-Therapie zu sichern, ist es (wie auf einer Reise) wichtig, ausreichend Medikamente bei sich zu haben. Z.B. für den Fall einer Quarantäne für mindestens 2 Wochen. Es ist daher wichtig, frühzeitig daran zu denken, neue Rezepte und Medikamente zu organisieren. Es sinnvoll, die behandelnden Ärzt*innen vorab zu kontaktieren, um eventuell gemeinsam eine Lösung zu finden, einen zusätzlichen Besuch in Ambulanz oder Ordination zu vermeiden. Derzeit gibt es keinerlei Informationen oder konkreten Verdachtsmomente, die darauf schließen lassen, dass es zu Engpässen in der Versorgung mit HIV-Medikamenten In Österreich kommen könnte.

HIV-Medikamenten gegen SARS-CoV2

Es gibt Versuche, einzelne HIV-Medikamente gegen SARS-CoV2 einzusetzen. Hintergrund ist, dass beide Viren ein ähnliches Enzym (Protease) verwenden. Daher werden z.B. die Wirkstoffe Lopinavir und Ritonavir gegen SARS-CoV2 getestet, da diese bei HIV die Protease hemmen. Konkrete Daten und Informationen, bzw. reale Behandlungsoptionen, stehen noch nicht zur Verfügung. Keinesfalls sollte durch Berichte dieser Art der Rückschluss gezogen werden, die Einnahme einer HIVTherapie hätte eine protektive Wirkung gegen eine Infektion mit SARS-CoV2. Nur die derzeit bekannten Maßnahmen bieten einen Schutz vor einer Infektion, bzw. schützen andere Personen im Umfeld.

 


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Diese Information der Aids Hilfe Wien und der Österreichischen AIDS Gesellschaft wurde am 12.03.2020 zusammengestellt. Text: Mag. B. Leichsenring, Aids Hilfe Wien / Medizinischer Beirat: Dr. A. Zoufaly, Österreichische AIDS Gesellschaft Quellen: CDC, DAH, ECDC, HIV&more, Institut f. Virologie Wien, RKI